Wohnen in Großsiedlungen

Beitrag von Kerstin Sailer zum interdisziplinären Seminar „Wohnen und Wohnungsbau in der DDR“


Komplette Seminararbeit als PDF


Das interdisziplinäre Oberseminar „Wohnen und Wohnungsbau in der DDR“ versammelte Studentinnen und Studenten der Architektur und der Geschichte unter der Leitung von Prof. Dr. Adelheid von Saldern (Hist.) und Sid Auffarth (Arch.) im Wintersemester 2000/2001, um gemeinsam der Frage nachzugehen, aus welchen historischen, sozialen, ökonomischen und politischen Hintergründen heraus die Wohnungsbaugeschichte der DDR zu beurteilen ist und welche baulich-räumlichen Ausformungen in den 45 Jahren bis 1990 prägend waren.  „45 Jahre lang wurde im Wohnalltag und im komplexen Wohnungsbau der DDR mit kollektiven Einrichtungen und der volkseigenen Platte bis zur Abwicklung 1990 ein sozialistisches Planmodell praktiziert. Dies soll in seinen Entwicklungen und seinen Ergebnissen nachgezeichnet und bewertet werden“, heißt es in der Kurzvorstellung und dem Ankündigungstext des Seminars.

Mein Beitrag setzte bewusst einen Vergleich zwischen den Großwohnsiedlungen im Osten mit den zeitgleich im Westen (wenn auch aus unterschiedlicher Motivation und Hintergründen heraus) entstandenen an, um beide Modelle gegenüberzustellen und Unterschiede wie Gemeinsamkeiten herausarbeiten zu können. Die beiden gewählten Siedlungen stellten zu ihrer Zeit die jeweils größten Wohnungsbauprojekte des Landes dar, Neuperlach wurde von 1970 bis 1980 für 80.000 BewohnerInnen geplant, Marzahn folgte einige Jahre zeitversetzt mit einer Projektierung von 1976-1987 für 100.000 Einwohner.

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass sich vom architektonisch-gestalterischen Gesichtspunkt beide Siedlungen in ihren Baumassen und der Bebauungsstruktur sehr ähneln, auch wenn sie sich in Ausführung, Technik und Dimensionierung unterscheiden.
Auch die Maxime bei der Errichtung der Großwohnsiedlungen glich sich im Primat der Ökonomie: beiden deutschen Staaten ging es um billigen, effizienten und dringend benötigten modernen Wohnraum. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die Motivation waren allerdings grundverschieden: während es den einen um die Realisierung eines politischen Anspruchs des ‚Gleichen für alle‘ ging, handelte es sich beim kapitalistischen Modell um Gewinnmaximierung, ökonomische Erfordernisse und knappe öffentliche Kassen.

Letztlich ist festzuhalten, dass eine rein ästhetisch verstandene Beurteilung und Kritik der ‚Plattenbauten‘ wenig Sinn macht. Zum einen sind die Bedürfnisse und die Zufriedenheit der NutzerInnen zu beachten (und das war weder in Marzahn noch in Neuperlach wirklich der Fall), zum anderen können Hintergrund und Entstehungsgeschichte durchaus den kleinen, aber feinen Unterschied ausmachen.

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